Die Franzosenjahre – Königreich Westphalen

Die Franzosenjahre – Königreich Westphalen

Ereignis-Datum: 1. Januar 1806

1806 unterlagen die Preußen den Franzosen in der Schlacht bei Jena und Auerstädt. Damit kam Wehrden unter französische Besatzung und die Wehrdener Bürger wurden Untertanen Kaiser Napoleons. Am 18. Oktober 1807 setzte der französische Kaiser Napoleon auf Grund des am 9.7.1807 in Tilsit geschlossenen Friedensvertrages seinen jüngeren Bruder Jérôme, den man auch den „König Lustik“ nannte, als König von Westphalen ein, der zu dieser Zeit erst 23 Jahre alt war. Er residierte im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel. Das Königreich, dass aus Hessen, Fulda, dem Paderborner Land, dem Corveyer Land und anderen Gebieten bestand, wurde nun in Departements, Distrikte und Kantone eingeteilt. Das Dorf Wehrden kam mit Blankenau, Amelunxen, Drenke und Bruchhausen zum Kanton Beverungen, Distrikt Höxter im Departement Fulda. Der Distrikt Höxter umfasste in etwa das Gebiet des jetzigen Kreises Höxter sowie die Kantons Bodenwerder und Trendelburg. Der Gemeindebeamte in Wehrden, welcher vorher Vorsteher genannt wurde, erhielt die Amtsbezeichnung Commune-Maire. Diesem standen ein Adjunkt und acht Munizipalräte (Gemeinderäte) zur Verfügung. Hiermit erlangten auch die Dörfer den Charakter selbständiger Gemeinden, was bisher nur bei den Städten der Fall war. Unterpräfekt im Distrikt Höxter war Franz Wenzel Philipp Freiherr von Wolff-Metternich zu Wehrden.

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 löste sich das Königreich Westphalen auf und damit endete auch in Wehrden die französische Besatzung.

Die 7 „Franzosenjahre“ veränderten vieles. Sie hatten zwar kleine Freiheiten gebracht, in erster Linie jedoch Opfer über Opfer von der Bevölkerung gefordert. Immer neue Steuern mussten gezahlt werden, und die Einquartierung der Soldaten mit ihrer Forderung nach Fourage (Verpflegung) lasteten drückend auf der Bevölkerung. Nach einer Anordnung der Präfektur vom 7.3.1808 wurde nunmehr auch das bisher steuerfreie Grundeigentum besteuert. Nur äußerster Fleiß konnte die Bauern vor der Verarmung retten. Obwohl die hohen Abgaben das erträgliche Maß schon überstiegen, wurden 1808 noch die Konsumsteuer und schließlich die Grund-, Patent- und Personalsteuer eingeführt, damit die französischen Kriegszüge bezahlt werden konnten. Weit schlimmer aber waren die Verluste an Menschen, die die Kriege Napoleons in Spanien und besonders in Russland forderten. Wieviel Wehrdener mit Napoleon als Wehrpflichtige nach Russland ziehen mussten, ist nicht überliefert.

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