Wehrden – das Eisenbahnerdorf

Wehrden – das Eisenbahnerdorf

Ereignis-Datum: 15. Oktober 1876

Am 15. Oktober 1876 begann für unser Heimatdorf ein neues Zeitalter. An diesem Tag wurde die Eisenbahnstrecke Holzminden-Scherfede eröffnet, an der Wehrden mit einem Bahnhof lag. Knapp zwei Jahre später wurde dann 1878 die Strecke von Ottbergen nach Northeim in Betrieb genommen. Die Linien kreuzten sich sich in Wehrden und machten den Ort zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt und Umsteigebahnhof, der über ein Jahrhundert lang für den Ort ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor von überregionaler Bedeutung war und bei Bahnreisenden zum festen Begriff wurde. Der ortsansässige Samenzuchtbetrieb Max Kornacker erhielt ein direktes Anschlussgleis zu seinem Saatgutspeicher und konnte nun seine Produkte von Wehrden in alle Welt transportieren. Weil der Bahnbetrieb damals noch großen Personaleinsatz erforderte, fanden viele Wehrdener einen sicheren und auskömmlichen Arbeitsplatz bei der Reichsbahn und später bei der Bundesbahn. So wurde Wehrden zum Eisenbahnerdorf.

Der Vorteil erwies sich im zweiten Weltkrieg allerdings zum Nachteil: Während des zweiten Weltkrieges hatte der Bahnhof Wehrden durch die Zerstörung des Eisenbahnviaduktes in Altenbeken eine erhebliche strategische Bedeutung. Dadurch und weil der Ort zwischen zwei Eisenbahnbrücken lag, die Weser überquerten, wurde der Bahnhof und die Schienenstränge zu einem bevorzugten Angriffsziel alliierter Bomber, was im ganzen Ort Angst und Schrecken auslöste und 8 Menschenopfer forderte. Viele Gebäude wurden zerstört und es entstanden erhebliche Sachschäden.

Mit der Stilllegung der Strecke Holzminden – Scherfede im Jahr 1984 verlor Wehrden seine Bedeutung als Eisenbahnkotenpunkt. Aus dem Bahnhof, der 1987 vollständig abgerissen wurde, entstand ein einfacher Haltepunkt für den regionalen Schienenverkehr, der bis heute auf der Strecke zwischen Ottbergen und Göttingen betrieben wird.

 

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