Goldener Meisterbrief für Walter Fisch

Meister des alten Schmiedehandwerks

Von Peter Vössing
Wehrden – Gleich doppelten Grund zum Feiern hatte jetzt Walter Fisch. Neben dem Erhalt des „Goldenen Meisterbriefes“ konnte der Schmiedemeister aus Wehrden seinen 80. Geburtstag feiern.

Walter Fisch und Johanna Vogt in der alten Wehrdener Schmiede.

© Foto: Vössing

Stolz hält der Schmied die Kopie einer uralten Urkunde in der Hand. „1789 erwarb der Schmied Johannes Bohlmann ein Grundstück von der Gemeinheit, um eine Schmiede zu errichten“, steht darin geschrieben. Weiter wurde seinem Vorfahr darin genau erklärt, dass dieser in seiner Schmiede genau gegenüber der Wehrdener Kirche dafür zu Sorgen hat, dass die Gottesdienste nicht gestört werden.
Seit 1787 gibt es in dem Gebäude von Walter Fisch also eine Schmiede. Erst war es eine Nagelschmiede, später wurde daraus eine Huf- und Wagenschmiede. Gerade Schmiedebetriebe waren durch die darin befindliche Esse natürlich sehr feuergefährdet. Genau dieses Schicksal ereilte dem Gebäude im Jahr 1949. Damals kam es zu einem Dachstuhlbrand. Für den weiteren Totalschaden sorgte damals das Löschwasser.
Aber Josef Fisch, der Vater des jetzigen Besitzers, ließ sich nicht entmutigen und errichtete ein neues Gebäude und installierte mit einer Pension ein weiters Standbein. Eine weise Entscheidung, denn das Weserdorf Wehrden wurde in den 50er Jahren zu einem Feriendorf und erfuhr einen wahren Besucherboom.
Sohn Walter Fisch erlernte vom Vater das Schmiedehandwerk und war damit in 7. Generation als Schmied in seiner eigenen Werkstatt tätig. Nachdem sein Vater 1966 gestorben war, durfte Fisch den Betrieb aufgrund des sogenannten „Witwen-Privilegs“ noch zwei Jahre lang als Geselle weiterführen. 1968 ging dann der Schmied für 3 Monate nach Lüneburg, um dort vor der Handwerkskammer seine Meisterprüfung abzulegen. Als Meisterstück fertigte der Wehrdener ein eisernes Gartentor an.
In seinem Betrieb arbeitete er weiterhin als Dorfschmied und erledigte sämtliche Arbeiten, die so im Dorf anfielen. Er war für die Reparatur von landwirtschaftlichen Geräten genauso zuständig wie für die Reparatur der damals noch eisernen Wasserleitungen und erledigte auch sanitäre Installationen. Sein größter Auftrag war seinerzeit der Aufbau des Pumpwerkes auf der „Bauerweder“ bei Wehrden.
„Krankheitsbedingt musste ich 1997 meinen Beruf aufgeben. Hin und wieder war ich nach meiner Krankheit in der Lage, noch ein wenig zu arbeiten“, erklärte Walter Fisch, der mit seiner Cousine Johann Vogt in der Pension lebt. Seit einem Unfall im Oktober letzten Jahres, bei dem Fisch sich an der Schulter verletzte, ist auch damit Schluss.
Der Schmiedemeister freute sich sehr, als ihm vor einigen Wochen von der Handwerkskammer Lüneburg sein „Goldener Meisterbrief“ zugesandt wurde. Mit Freunden und Verwandten wurde jetzt auch sein 80. Geburtstag gefeiert.

Quelle: Beverunger-Rundschau

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